Radfahrer erzählen ihre persönliche Helmgeschichte
Malte Mühlencord - quer

Eine persönliche Helmgeschichte:
Die Nacht war gerade erst angebrochen, als ich mit einem Freund in Münster losfuhr. 2 Uhr nachts an Christi Himmelfahrt. Wir beide hatten Großes geplant für diesen Feiertag. Eine Strecke von 400km wollten wir radeln. Von Münster durchs Sauerland und wieder zurück. Doch so weit kamen wir gar nicht.
Der Morgen dämmerte bereits, als ich den Schrei meines Bekannten hörte. Und dann bin ich schon geflogen. Ein Reh sprang aus dem Straßengraben in mein Fahrrad. Ich überschlug mich. Beim Aufprall war mir direkt klar, dass ich nicht mehr weiterfahren konnte. Eine halbe Stunde lag ich auf der kalten Straße bis der Krankenwagen endlich kam.
Mein Freund die ganze Zeit bei mir. Genauso wie mein Lebensretter: Der Fahrradhelm.

Die Diagnose im Krankenhaus
Ich wurde noch am nächsten Tag operiert. Vier Rippen und das Schlüsselbein waren gebrochen und mussten mit einer Platte fixiert werden. Bei der Operation kam es unter der Beatmung außerdem zu einem lebensbedrohlichen Spannungspneumothorax, weil durch den Aufprall die Lunge minimal verletzt wurde. Aufgewacht aus der Narkose bin ich mit einem Schlauch in der Lunge. Neben mir der gebrochene Fahrradhelm. Der Arzt sagte, dass ohne den Helm die
Schädelkalotte wohl gebrochen wäre. Den Tag feiere ich auf jeden Fall als zweiten Geburtstag!
Eine Woche später wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Meine Schmerzen begleiteten mich allerdings noch lange.

„Ohne den Helm wäre ich heute vielleicht nicht hier. Also an alle Fahrradfahrer: Denkt an
euch und eure Köpfe.“

Ich bin passionierter Sportler und würde mich selbst als fahrradverrückt bezeichnen. Fahrradfahren ist für mich eine Lebenseinstellung. Ich besitze bewusst kein eigenes Auto und liebe es, lange Strecken mit dem Rad zurückzulegen und schöne Wege zu fahren. Doch seit meinem Unfall hat sich meine Einstellung geändert: Ich dachte immer, ich fahre umsichtig,
vorausschauend und beherrsche mein Rad. Da passiert mir schon nichts! Doch ich durfte am eigenen Leib erfahren, dass immer etwas Unvorhergesehenes passieren kann. Beim Rennradfahren habe ich schon immer einen Helm getragen, aber seit meinem Unfall trage ich ihn immer und mache in meinem Umfeld aktiv Werbung dafür: Denn es kann jeden jederzeit treffen,
auch wenn man denkt, man hat alles unter Kontrolle. Meine Lust am Radfahren hat der Unfall aber nicht gebremst. Mein Helm auf dem Kopf gibt mir Sicherheit.

Malte Mühlencord